Fränkischer Theatersommer

Zwischen Grusel und Komödie (Kurzkritik „Einst um eine Mittnacht“ vom 2.7.15)

Der Rabe aus "Einst um eine Mittnacht"

Im Grunde hätte der Rabe sagen können, was er will. Nur eben nicht „nimmermehr“. Es ist das falscheste, was man über die Gruselkomödie „Einst um eine Mittnacht“ von Markus Veith sagen kann. Im Rahmen des Theatersommers krächzte, flüsterte und brüllte sich der Dortmunder Schauspieler und Schriftsteller in seinem Ein-Mann- Stück durch fünf Werke des Grusel-Literaten Edgar Allan Poe.

Und nicht mal Sonnenschein und Vogelgezwitscher konnten ihn davon abhalten, gruselig zu sein. Von einer Sekunde zur andern wechselt Veith als der Mörder aus „Das verräterische Herz“ von rasender Wut zur Verzweiflung und von listiger Verschlagenheit wieder zu- rück zur rasenden Wut. Dann wieder schleicht er als Rabe über die Bühne (Kostüme: Anna Busch), krächzt schaurig von der Vergeblichkeit allen Tuns und wechselt sofort wieder zum zu Tode erschrockenen Trauernden. Der sich dann darüber ärgert, dass der Rabe ihm auf den Schreibtisch gekackt hat. Denn Markus Veith ist nicht nur gruselig, sondern hat auch einen Hang zur absurden Komik. Da kommt die Wut manchmal davon, dass die verhasste Vermieterin mit dem laut pochenden Herzen ihrem späteren Mörder ständig Plätzchen anbietet. Und als Freund führt er mit dem melancholischen Roderick Usher kurz vor dem „Untergang des Hauses Usher“ ein herrliches Streitgespräch darüber, ob es eine gute Idee ist, ihm zur Ablenkung aus „Shining“ von Stephen King vorzulesen. Nur um sich dann anhören zu müssen, dass die Vorstellung eines lebendigen Hauses, wie sie King beschreibt, ja wohl völlig absurd sei. Wenn schnelle Dialoge den Personenwechsel unmöglich machen, greift Veith auf grandiose Puppen zurück (geschaffen von Thomas Glasmeyer), die fast schon eine eigene Parodie des Grusel-Geschehens darstellen. Was auch für die Ahnengalerie Roderick Ushers (gemalt von Christian Turk) gilt, die nicht ganz zufällig berühmten Gestalten der Horrorliteratur ähneln. So präsentiert Roderick Usher dem alten Freund etwa seinen Großvater Vlad Usher oder auch Mutter Mary Shelly Usher.
Veith beginnt mit dem Gedicht „Der Rabe“, aus dessen erster Zeile sich auch der Titel des Stücks herleitet, und behält die Reimform fast durchgehend bei. Mit einer Ausnahme: den schlechten Witzen des Mörders kurz vor seiner Hinrichtung, mit denen er hofft, sich vorher noch totlachen zu können. Unterstützt wird er von Lichteffekten (Regie: Amelie Auer) und Gruselgeräuschen von Alexander Terzakis. Wobei die Lichteffekte im dunklen Verließ von Burg Rabenstein wohl mehr wirken als in den Neuen Kollonaden Bad Bernecks. Man möchte dem Raben zurufen: Vergiss dein „nimmermehr“! In diesem Fall wäre „gerne wieder“ deutlich angebrachter.
Sarah Bernhard
Nordbayerischer Kurier, 2.7. 2015

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