Fränkischer Theatersommer

Pressekritik zur Premiere von „Der Mörder – schon wieder der Gärtner

Des Gärtners Mordlust …

Das Heilpädagogischen Zentrum avancierte zur Spielstätte – mit einer Collage aus Liedern und Texten.

„Der Mörder – schon wieder der Gärtner?“, fragte Jan Burdinski im gleichnamigen Zwei-Personen-Stück, das Samstag im Haus der Außenwohngruppe 3 des Heilpädagogischen Zentrums Premiere hatte. Die Erkenntnis nach zwei Stunden feinstem Kabarett: Der Mörder ist nicht immer der Gärtner.

Den Zuschauer erwartete eine Collage aus Liedern und Texten rund um Mord und Garten. Der Gärtner Felix (Jan Burdinski) kommt eigentlich sehr sympathisch daher. Mit poetischen Worten umschreibt und besingt er das Leben des Gärtners und die Schönheit der Natur. Dabei leiht er sich Worte bekannter Autoren wie Wilhelm Busch, Hermann Hesse oder Luise Hensel. „Maiengrün! Maiengrün! Ringsum bunte Blümlein blühn, und die muntern Vöglein singen, und im Wasser Fischlein springen“, zitierte er Hensels Gedicht „Mairausch“.

Die Musik zu den Texten stammt von Burdinski selbst, der an diesem Abend nicht nur Darsteller ist, sondern auch als Musiker zwischen E-Piano, Akkordeon und Gitarre wechselt.

Kaum zu glauben, dass der Gärtner immer der Mörder sein soll. Aber seine Freundin Adele (Ingrit Gabriel) stichelt, provoziert ihn. Sie ist die temperamentvollere der beiden Figuren, jagt den Gärtner mit einer Sonnenblume gar hinter die Kulisse, bis diese umzustürzen droht. Gefährlich, hätte dieses Unglück (Mord?) den Abend doch vorzeitig beenden können.

Vorsicht vor verliebten Friseuren

Adele traut dem Gärtner nicht, der aber verteidigt sich, und nach all den Mordgeschichten und -gesängen, muss man feststellen: Nein, der Mörder ist nicht immer der Gärtner. Auch Amseln, Jäger und Friseure bringen den Tod. Friseure besonders, wenn sie verliebt sind. Die Liebe verdreht dem Friseur den Kopf, infolge dessen der Kunde den seinigen verliert: „Da fällt ein Kopf herunter, da sprudelt ein Brünnlein rot. So geht’s, wenn Barbiere lieben! Der alte Herr war tot.“ Ein Auszug aus dem Gedicht „Der zerstreute Barbier“ von Joannes Trojan. Auch Texte anderer literarischer Größen wie Johann Wolfgang von Goethe, Joachim Ringelnatz und Heinrich Heine fanden Eingang ins „Chanson-und-Kleinkunst-Brettl“-Programm.

Allerdings hat der Gärtner, das muss er zugeben, doch das ein oder andere Lebewesen auf dem Gewissen. Er versucht auch nicht, das zu leugnen, sondern die Bluttat in ein positiveres Licht zu rücken. Sein Kommentar zur Schneckenbekämpfung: „Der schönste Tod für eine bayerische Schnecke ist in einem Meer von Bier zu versinken.“

Je später der Abend, desto lockerer wurde die Stimmung im Publikum. Immer bereitwilliger folgte es dem Aufruf, mitzumachen und Refrains oder ganze Lieder mitzusingen.

Die Veranstalter hätten sich gerne noch mehr Zuschauer gewünscht, neben den Bewohnern des HPZ gab es nur wenige Besucher von außerhalb. Es war das erste Mal, dass in diesem Gebäude eine Theateraufführung stattfand. Es soll nicht die letzte sein. Das HPZ kam im letzten Herbst auf Jan Burdinski zu, der als Intendant den Fränkischen Theatersommer/Landesbühne Oberfranken leitet. Ob man im HPZ Theater spielen könne, wurde er damals gefragt, erzählte er. Und er antwortete: „Na freilich!“ Im HPZ sollen aber nicht nur externe Künstler auftreten, der Fränkische Theatersommer hat vor, mit zwei Theaterpädagogen, Christoph und Carolin Auer, dort eine Theatergruppe mit behinderten und nichtbehinderten Menschen ins Leben zu rufen. Nach aktuellem Stand sollen die Proben im Herbst 2016 beginnen.

Von Denise Burkhardt

Kommentare sind geschlossen.




Pressekritik zur