Fränkischer Theatersommer

Pressekritik zur Premiere von „Das Orangenmädchen“

„Orangenmädchen“ in Rödental: Rührender Brief aus der Vergangenheit
So bringt der „Fränkische Theatersommer“ den Roman „Das Orangenmädchen“ von Jostein Gaarder auf die Bühne des Rödentaler Rathaussaals.


Die Diagnose für Ian Olav ist ein Todesurteil ohne Hoffnung auf Begnadigung: Krebs. Nur noch einen Monat hat er zu leben, maximal zwei oder drei. Dann ist sein Leben vorbei – und auch seine Liebe zu Veronika, seiner Frau, seinem Orangenmädchen.

Und zurück bleibt Georg, sein Sohn, dem er eigentlich noch viel erzählen will – vom Leben und von seinen Hoffnungen und Enttäuschungen. Doch Georg ist noch zu klein, um das alles verstehen zu können. Also schreibt Ian Olav einen Brief, einen langen Brief über sein Leben und wie er die Liebe seines Lebens entdeckt hat. Dieser Brief ist ein Brief in die Zukunft – versteckt in einer Papprolle, wo ihn Georg irgendwann einmal Jahre später entdecken und lesen soll.

So rührend, so kitschgefährdet erzählt Erfolgsautor Jostein Gaarder seine Liebesgeschichte vom Orangenmädchen in seinem gleichnamigen Roman. Als Musical kam „Das Orangenmädchen“ nun auf die Bühne im Rathaussaal Rödental – als Gastspiel des „Fränkischen Theatersommers“. Wie aber verwandelt man ohne raffinierte bühnentechnische Hilfsmittel einen Roman mit komplexer Erzählstruktur in ein Musical, das sich mit vier Akteuren und zwei Musikern in Szene setzen lässt?

Regisseurin Ruth Weisel hat dafür eine eigentlich ganz einfache und wirkungsvolle Lösung gefunden, der sie freilich doch nicht ganz zu trauen scheint. Denn vor Beginn des Rödental-Gastspiel will sie dem Publikum dann zur Sicherheit wenigstens noch eine Erklärung vor liefern – die Erklärung, dass diese Geschichte um Ian Olav (Markus Veith) und Orangenmädchen Veronika (Clarissa Hopfensitz), um seinen Sohn Georg (Johannes Leichtmann) und seine Freundin Isabell (Marina Pechmann) in drei verschiedenen Zeitebenen spielt, die sich immer wieder durchdringen und überlagern.u

Am Rande zum Kitsch
Diese drei Zeitebenen und ihre dichten Verflechtungen freilich werden in Ruth Weisels Regie durch die stets prägnante Personenführung und durch das sehr engagierte und lebendige Spiel des Darsteller-Quartetts problemlos nachvollziehbar. Auch die Musik, die Martin Lingnau zur Bühnenfassung von Christian Gundlach geschrieben hat, hilft immer wieder dabei effektvolle Situationen zu schaffen. Lingnaus Musik kann zwar sicher nicht durch Originalität punkten, weil sie sich immer wieder bei klingenden Musical-Klischees bedient.

Aber Regisseurin Ruth Weisel am E-Piano und Peter Ackermann am Cello gelingt es immer wieder, Musik und Szene dicht zu verzahnen und lautmalerische Effekte zu setzen.

Und am Ende schenkt diese Musical-Fassung Gaarders Roman mit offenem Schluss die Hoffnung auf ein Happyend – ein Finale, das sich am Rande zum Kitsch bewegt, ohne abzustürzen.

von Jochen Berger

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