Fränkischer Theatersommer

Presse-Echo zum Neujahrs-Varieté am 1. Januar in Weiden

Feurig und chansonesque

Wiener Chansons, jazzige Klänge und feuriger Flamenco: Kunterbunt werden die Besucher am Sonntagabend in der Max-Reger-Halle ins Jahr 2017 gezogen. Drei Stunden lang präsentiert die Kulturbühne einen künstlerischen Hochgenuss.

„Keine Experimente“ – mit einer Phrase wie dieser liegen sich vor 60 Jahren Bundestagswahlen in Deutschland gewinnen. Ein Stückweit hat sich diese Vorstellung wohl auch in den Köpfen der Weidener Theaterbesucher festgesetzt. Denn es läuft schon unter Experiment, was sich die Verantwortlichen der Kulturbühne für den Neujahrstag ausgedacht haben. Nämlich eine sicherlich auch gewagte Mischung aus Rezitation, Gesang und Tanz. die sich künstlerisch auf sehr hohem Niveau bewegt. Die allerdings nur knapp 200 Besucher erleben wollen.

Vater und Tochter
Sei es wie es sei: Jene, die da sind, kommen auf ihre Kosten und werden nicht enttäuscht. Und einzelne Besucher, die in Veranstaltungen wie diese mehr oder weniger „hineinstolpern“ und auch nach einer Stunde noch auf das nie angekündigte Orchester
warten, lassen sich nie ganz vermeiden. Sängerin Daniela Hertje und ihr Vater Vitali am Klavier legen gleich los, um jede Menge Swing und Jazz nach Weiden zu bringen. Es hat
einen Hauch von Billie Holiday und Ella Fitzgerald, wie die 25-jährige Musikstudentin auf der Bühne agiert. ln den vorgetragenen Songs demonstriert sie ihre Stimmkraft, besonders auch durch ihren „Scat“-Gesang gibt sie den Liedern ihre eigene Note, ihren
eigenen Stil. Auch Frank Sinatras „Strangers in the night“ sowie eine Eigenkomposition zum Abschluss überzeugen auf ganzer Linie – alles jeweils gekrönt durch das mitreißende
Spiel des Vaters am Piano.

Durch das Programm führt der Schauspieler Jan Burdinski, Intendant der Landesbühne Oberfranken: In vielen Texten und Rezitationen greift er immer wieder das Thema Zeit auf und gibt damit einen unterhaltsamen Conférencier.

Berlin und Wien
Für Chansons aus längst vergangenen Zeiten sorgen Viola Robakowski und Ruth Weisel, die die Zuhörer mitnehmen ins Berlin und Wien der 20er und 30er Jahre. Sie singen von
Sehnsüchten, Leidenschaften und Wünschen der Menschen, die Lieder erzählen mal lustig und frivol, mal melancholisch und nachdenklich sowie stets pointiert von der Suche
nach Glück und Liebe: „Der Novak lässt uns nicht verkommen“, geträumt wird von „Rüdiger“ und größter Geburtstagswunsch ist ein neuer Vorderzahn.

Für das südländische Flair verantwortlich sind drei Künstler aus Málaga: Úrsula Moreno, Antonio Andrade und Jose Bravo bringen den Flamenco in die kühle Oberpfalz und lassen die Temperaturen in d!er Halle merklich an steigen. Feurige und leidenschaftliche
Tanzeinlagen gepaart mit Live-Musik von Gitarre und Percussion verschaffen ein authentisches Flamenco-Erlebnis, das so in der Region wohl selten zu sehen ist. Immer wieder gibt es Zwischenapplaus für die dynamische Darbietung des Trios.

Abgerundet werden die Darbietungen durch Auftritte junger Künstler aus Weiden: Julia Wagner, Annika Krämer, Lilly Werner. Alexander Nowak und Johannes Widmann sorgen unter anderem für gelungene Musical-Klänge, begleitet werden sie am Klavier von Peter Pollinger. Auch das Bühnenbild des Abends ist eine Weidener Produktion – gestaltet von Ulrike Feth mit einer Schülergruppe der fachpraktischen Ausbildung an der FOS/BOS Weiden.

Viel Applaus gibt es zum Schluss für alle Künstler. Einen Applaus, den auch die Verantwortlichen der Kulturbühne für ihr Programm-Wagnis mehr als verdient haben.

Von Holger Stiegler

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