Der österreichische Chansonier Georg Kreisler war ein Meister des dunkelschwarzen Humors und ein Gründervater des Klavier-Kabaretts. Bissige Ironie, feinsinniger Sarkasmus oder schöngeistiger Zynismus – seine bösen Lieder sind schwer einzuordnen. Sie nehmen kleine und große menschliche Schwächen treffsicher ins Visier, ohne den moralisierenden Zeigefinger zu erheben.
Seine Biografie als ausgebildeter Konzertpianist und rastloser Emigrant lieferte Georg Kreisler reichhaltigen Stoff für seine Chansons. Sie widmen sich nicht nur Alltagsbegebenheiten und Skurrilitäten, sondern auch bekannten Themen und Motiven der klassischen Musik und Zitaten aus Literatur und Zeitgeschehen.
Stefan Rieger singt und spielt am Klavier, rezitiert schrullige Texte und erzählt Anekdoten aus Georg Kreislers reichem Schatz und bewegendem Leben – ein Programm voller dichter, kurzweiliger Unterhaltung, bei dem oftmals das Lachen im Hals stecken bleibt.
Dennoch wohnt Kreislers Liedern eine zärtliche Liebenswürdigkeit inne, scheint stets der Appell an den Menschen im Menschen durch, bei all der Schwärze der Zeit den Humor nicht zu verlieren.
Kommentar, zum Titel des Programms / Stefan Rieger
„Tauben vergiften im Park“ ist das populärste Lied des bekannten österreichischen Kabarettisten Georg Kreisler (1922 – 2011), von dem dieses Chanson-Programm handelt. Weder er selbst noch der Interpret Stefan Rieger haben jemals eine Taube vergiftet.
Im Gegenteil: Die Lieder und Chansons dieses Programms nehmen menschliche Schwächen schwarzhumorig aufs Korn und legen den Finger in so manche Wunde zweifelhaften menschlichen Verhaltens. Die ethische Haltung, die sowohl Komponist als auch Interpret dabei an den Tag legen, ist eine aufrecht herzliche und ehrlich humanistische – gerade weil sowohl die damaligen als auch die heutigen Zeiten nicht einfach waren bzw. sind. Der (schwarze) Humor dient als Transportmittel, die Welt nicht zu düster zu sehen, aber auch die Düsternisse der Welt anzuprangern. Die Nazis waren für den Tod von 6 Millionen Juden – nicht Tauben – verantwortlich.
Die Lebenshoffnung auf ein Umdenken und damit ein „besser“ scheint fast in jedem Chanson durch. Die bisherigen gut verkauften Aufführungen in verschiedenen fränkischen Städten mit oft stehendem Applaus und Zugaben geben dem gesamten Konzept und der Auswahl der Lieder und Texte Recht. Die Menschen kommen, weil sie Georg Kreisler als Komponisten kennen und schätzen – und warten gespannt auf das namensgebende Chanson. Die Menschen verlassen nach gut zwei intensiven Stunden den Theaterraum durchweg heiter und berührt, das zeigen die persönlichen Gespräche nach den Vorstellungen. Die Texte der Lieder sind teils so aktuell und treffend, als wären sie erst heute geschrieben.
Tauben müssen sich also keinesfalls fürchten und sind herzlich eingeladen, hier mehr über Georg Kreisler nachzulesen: https://www.georgkreisler.info/